Mein Wunder: neu sehen

Shownotes

Mit Prädikantin Dorothea Alewell

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00:00:07: Willkommen beim Podcast der Kirchengemeinde Ottensinn für den achten Sonntag nach Trinitatis und damit auch zu einer weiteren Folge unseres Sommer-Podcasts, Mein Wunder.

00:00:19: Zeit zum Inhalten und Nachdenken mit Wunderschichten und Sonntagstexten aus der Bibel.

00:00:26: Neulich sagte eine meiner Studierenden – Die Welt ist so komplex, so voller widersprüchlicher Information.

00:00:33: ich sehe den Wald vor lauter Bäumen gar nicht mehr und weiß gar nicht, wo ich hinkucken soll.

00:00:40: Diese Frage, wo wir am besten hingucken – die kannte auch Jesus schon!

00:00:46: Im neunten Kapitel des Johannes Evangeliums wird davon erzählt wie sich Belicke und Perspektiven verwirren, wie Menschen blind bleiben und andere sehend werden und neu sehen lernen.

00:00:59: Der Friede Gottes finde seine Wege zu uns, der Friede Gott.

00:01:03: es breite sich aus unter uns zwischen uns und weit über uns hinaus.

00:01:09: Ich bin Prädikantin Dorothea

00:01:11: Alevel.".

00:01:19: Und Jesus ging vorüber, und sah einen Menschen der blind geboren war.

00:01:25: Und seine Jünger fragten ihn und sprachen, Rabbi!

00:01:28: Wer hat gesündigt?

00:01:30: Dieser oder seine Eltern, dass er blind geborgen ist.

00:01:35: Jesus antwortete, es hat weder dieser gesündicht noch seine Eltern.

00:01:40: Sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.

00:01:45: Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist.

00:01:50: Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.

00:01:54: Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der

00:01:56: Welt.".

00:01:59: Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden – und sprach zu ihm «Gehe zu dem Teig siloar»,

00:02:12: d.h.,

00:02:13: gesand' und wasche dich!

00:02:16: Da ging er hin und wusch sich, Und kam sehend wieder.

00:02:52: Gott schenke uns ein Wort für unser Herz Und ein Herz für ihr Wort.

00:02:58: Stellen wir uns das einmal vor!

00:03:00: Er ist blind geboren Nicht erblindet im Laufe der Zeit Nicht langsam in eine Dunkelheit gesunken.

00:03:07: Nein von Anfang an war da kein Licht.

00:03:10: Als Baby hatte er das Gesicht der Mutter nie gesehen.

00:03:13: Er hat noch nie einen Sonnenuntergang beobachtet und noch nie einen Blick in die Augen eines anderen Menschen geworfen.

00:03:21: Und nun sitzte am Rand des Weges, auf dem die andern geschäftig ihrem Leben nachgehen – sitzt da und hat keine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben, denn seine Erkrankung gilt als

00:03:33: unheilbar.".

00:03:36: Die Menschen, die vorbeigehen, sie reden nicht mit ihm sondern über ihn.

00:03:41: Wer hat da gesündigt?

00:03:43: Dieser hier oder seine Eltern?

00:03:45: Keiner fragt wie es ihm geht!

00:03:48: Ob man helfen kann, als wäre er nur ein Ding das gar nicht wirklich gesehen wird und als wäre die Vergangenheit wichtiger als sein heute.

00:03:58: Das ist die Welt in der dieser blind geborenen Mensch lebt – eine Welt, in der man ihn als Objekt sieht, nicht als Menschen mit einer eigenen Würde….

00:04:08: Eine Welt, die man sich erklärt, indem man Schuldige identifiziert für das was passiert... Eine Welt in dem man lieber rückwärts schaut als vorwärz.

00:04:17: So geht es!

00:04:18: bis Jesus vorbeikommt.

00:04:23: Der Hintergrund der Szene am Straßenrand ist ein heftiger Streit.

00:04:28: Kurz zuvor hat Jesus noch öffentlich gesagt, ich bin das Licht der Welt und ich und der Vater sind eins.

00:04:36: Darüber ist ein heftiger Streid mit den Pharisäern ausgebrochen.

00:04:40: Sind Jesus' Aussagen Gotteslästerung oder Prophetie?

00:04:45: Ist es die blasphemische Selbstüberschätzung eines weiteren Wanderpredigers oder die Ansage des lang erwarteten Messias.

00:04:54: Dieser Streit tobt dem Hintergrund weiter und beschäftigt Jesus und die Jünger, aber nun rückt auf diesem Hintergrund die konkrete Situation mit den Blinden am Straßenrand in den Vordergrund.

00:05:07: Wie alle Vorbeilaufenden behandeln auch die Jünder ihnen als Objekt, fragen sie nicht danach was er braucht sondern nach Schuld und Vergangenheit.

00:05:15: Wer hat hier gesündigt?

00:05:16: Wer ist Schuld?

00:05:17: der Blinde?

00:05:21: Jesus lässt sich unterbrechen durch diese Fragen, aber er antwortet nicht direkt darauf.

00:05:28: In wenigen Worten dreht er die Perspektive.

00:05:32: Still und leise, fast beiläufig und so mitten auf der Straße machte einen neuen Raum auf – skizziert eine neue Welt!

00:05:41: Sein Blick geht nach vorne und auf Zukunft.

00:05:44: Was kann hier werden?

00:05:46: Welcher Möglichkeitenraum steht

00:05:47: offen?".

00:05:49: Welche Werke Gottes können an diesem Menschen und für diesen Menschen sichtbar werden.

00:05:56: Und Jedesus redet auch gar nicht lange, sondern er handelt.

00:05:59: Er handelt wie Gott am Anfang der Welt!

00:06:01: Bückt sich, nimmt Erde, nimmt Speichel und macht einen Brei aus Lehm.

00:06:07: Heil Erde – Urstoff der Schöpfung.

00:06:11: Und streicht sie dem Blinden auf die Augen.

00:06:14: Dann schickt er ihn los.

00:06:16: Geh zu dem Teich siloar und wasche

00:06:19: dich.".

00:06:21: Der Mann hat Leben auf den Augen.

00:06:24: Er weiß nicht, was ihn erwartet aber jemand hat ihn angeschaut als wäre Zukunft möglich.

00:06:32: Jemand hat seine Augen berührt und da war ein starker lebendiger Puls.

00:06:38: Dieser Jemand sagt Geh!

00:06:41: werde aktiv.

00:06:42: Es gibt Möglichkeiten Suche danach.

00:06:45: hier ist dein Weg.

00:06:48: Also geht er los noch ohne den Weg sehen zu können Vertraut auch ohne Beweise, glaubt bevor er klar sieht und orientiert sich neu noch ganz blind und tastend.

00:07:01: Plötzlich gibt es da eine Richtung im Leben und eine Aufgabe.

00:07:06: Der Blindgeborene wäscht sich selbst, reibt sich die Blindheit aus den Augen mit den eigenen Händen und kann sein Dunkel verlassen, sieht die Welt in einem hellen Licht kommt sehen zurück und erzählt allen was er erlebt hat das da so ein starker Impuls war Und dass diese verändernde Kraft in seinem Leben nur von Gott stammen kann, das er eine Welt voller Licht und ein Leben voller neuer Möglichkeiten sieht.

00:07:33: Im Licht der Welt lernt er neu sehen – auch seine eigenen Möglichkeiten!

00:07:41: Jesus gibt so ganz nebenbei auch eine Antwort auf die Unterstellungen der Pharisäer.

00:07:47: Er zeigt ganz konkret was das heißt, dass er eins ist mit dem Vater, mit dem Schöpfer?

00:07:57: Dieser blindgeborene Mensch bekommt das Licht geschenkt, wie die ganze Schöpfung am ersten Tag das Lichtgeschenk bekam.

00:08:07: Und dieser Mensch lernt neue Möglichkeiten zu sehen jenseits von Schuld und Verstrickungen.

00:08:15: Was der soeben noch Blinde dann erlebt und was in den Texten, die unserem Predigtext folgen erzählt wird ist er nüchternt.

00:08:23: Er stößt überall auf großes Skepsis.

00:08:26: Niemand freut sich mit ihm!

00:08:28: Niemand feiert seine Heilung.

00:08:31: Seine Eltern reagieren verunsichert.

00:08:33: Die Nachbarn glauben ihm nicht, sie zweifeln daran, dass er es ist oder daran was er erlebt hat.

00:08:40: Die Pharisäer verhören ihn.

00:08:43: Sie sagen dieser Jesus kann nicht von Gott sein.

00:08:46: Er hat am Sabbat gearbeitet und geheilt.

00:08:50: Er verstößt gegen unsere Vorstellungen und Regelungen.

00:08:53: Er teilt nicht unsere Perspektive die sich auf Vergangenheit und Schuld und Kausalität richtet.

00:09:02: Die von Gott stammende Kraft, neue Möglichkeiten zu entdecken und Neues zu schöpfen ist eine heftige Irritation für die Menschen rundherum.

00:09:14: Und also muss das Wunder falsch sein – und der Glaube muss auch falsch sein!

00:09:19: Und also muß der Mensch, der jetzt neue Wege sieht wieder in seine alte Rolle als ausgegrenzter gedrängt werden.

00:09:25: Immer wieder bezirkt er in aller Klarheit was ihm geschehen ist.

00:09:29: Ich war blind, jetzt sehe ich neue

00:09:31: Wegen.".

00:09:33: Einfacher kann man es nicht sagen, aber niemand um ihn herum versteht ihn.

00:09:39: Woher war allein in seiner Blindheit?

00:09:41: War ausgegrenzt als Mensch in einer ausweglosen Situation – jetzt ist er allein in seinem Seen und in seinen neuen gefundenen Möglichkeiten!

00:09:51: Weil die Sehnen blind bleiben für das was er erlebt hat, weil sie festhalten an ihren alten Perspektiven.

00:10:01: Und liebe Gemeinde wo stehen wir da in dieser

00:10:05: Geschichte?".

00:10:08: Die Welt, in der der Blindgeborene am Straßenrand sitzt – sie erscheint mir erstaunlich aktuell.

00:10:15: Wie oft werden auch bei uns Menschen nur als Objekte wahrgenommen?

00:10:19: Die Flüchtlinge, die Arbeitslosen, die Pflegebedürftigen!

00:10:24: Wie oft wird Menschen pauschal Schuld zugewiesen für zu geringe Produktivität, für Fehlzeiten, für zu kurze Lebensarbeitszeiten?

00:10:35: Wie oft wird nur gefragt, ob bestimmte Gruppen den Sozialstaat zu Dolle belasten und wie häufig spricht kaum jemand direkt mit den Menschen sondern nur über sie.

00:10:45: Und wie selten fragt jemand was die Menschen brauchen?

00:10:51: Erstaunlich viele Parallelen gibt es von damals bis heute.

00:10:57: Unvermutlich haben auch viele von uns solche Momente oder Anteile in sich wie die Jünger und die Pharisäer Sie in der Geschichte erleben.

00:11:07: Momente, nämlich in denen wir an heilsame Veränderungen bei uns selbst und anderen nicht glauben können.

00:11:13: Momente ,in denen wir rückwärts schauen auf die Vergangenheit nach Schuld und Schuldigen suchen – wo wir rationale Erklärung brauchen – alte Geschichten immer wieder aufblättern, uns auf bestimmte Positionen festgelegt haben.

00:11:28: Momenten, in denen man nicht glauben kann dass Gottes Zusage siehe ich mache alles neu auch für uns und hier und heute gilt!

00:11:38: Momente, in denen wir nicht an neue Möglichkeiten glauben können stattdessen wieder und wieder fragen wer ist schuld?

00:11:44: Wer hat angefangen.

00:11:45: Wer hat das ausgelöst?

00:11:50: aber diese Geschichte fordert alle auf die sie hören auch uns hier und heute Die Blickrichtung zu wechseln die Perspektive umzutreten Und nicht mehr zu fragen woher kam die dunkelheit?

00:12:04: Sondern was kann im neuen licht werden?

00:12:07: Welche Möglichkeiten zum Guten gibt es?

00:12:12: Das sieht zuerst aus wie naiver Optimismus.

00:12:15: Aber es ist etwas viel radikaleres.

00:12:19: Darin steckt die feste Überzeugung, dass kein Leben, kein Mensch keine Situation so festgelegt sind, das da nur dunkel ist und kein Licht mehr hineinpasst.

00:12:30: Darinnen steckt auch die unverbrüchliche Überzeugungen, dass Schöpfung nicht aufhört – damals nicht und heute.

00:12:39: dass Gott in jedem Moment und mit jedem Menschen eine Myriade an Möglichkeiten sieht, und das Erlösung und Heilung unendlich viel mit der Änderung der Blickrichtung zu tun hat.

00:12:51: Dass jede und jeder von uns die Blickrichtungen auf Zukunft ändern kann – aufstehen und losgehen hinzu diesem Raum der Möglichkeiten!

00:13:00: Losgehen auch mit dem Leben noch auf den Augen.

00:13:03: Losgehen?

00:13:03: Auch wenn wir erst unterwegs den Leben aus den Augen reiben können Auch wenn wir noch nicht klar sehen, losgehen um zu suchen und zu erleben was möglich ist.

00:13:14: Im Licht der Welt neue Seen lernen!

00:13:17: Amen!".

00:13:32: So geht nun in die neue Woche.

00:13:35: Schaut nach vorne und halte dem Licht dieser Welt Ausschau nach den myriadenden Möglichkeiten und nach der Schöpferkraft Gottes in Aktion.

00:13:45: Bleib behötet – Gott segne Euch und bewahre Euch an Körper Geist und Seele auf das es gut werde Amen.

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